Schweizer kaufen mit hartem Franken Häuser im nahen Ausland

NZZ am Sonntag vom 07.08.2011

Zahlreiche Schweizer nutzen die Frankenstärke, um im Euro-Raum Liegenschaften zu kaufen. Makler reden von sprunghaft gestiegenem Interesse.

Benjamin Tommer
Frank Renz, Immobilien-Makler im deutschen Konstanz, hat dieser Tage alle Hände voll zu tun. Weil der Franken in den letzten Wochen gegenüber dem Euro stark an Wert zugelegt hat, meldeten sich bei ihm plötzlich Schweizer in grosser Zahl, die im grenznahen Raum Liegenschaften kaufen wollen. «Die Nachfrage hat sich innerhalb der letzten rund vier Wochen verdreifacht», sagt Renz.

Auch Peter Lang von der Immobilienberatung Lang & Kleespies in Konstanz berät seit geraumer Zeit deutlich mehr Schweizer Kunden. Gesucht sind gemäss seiner Erfahrung Eigentumswohnungen und Gewerbeeinheiten. Kaum einer der Kunden wolle die Immobilie nach dem Kauf selber nutzen. Die Käufer seien vielmehr auf der Suche nach interessanten Anlageobjekten ennet der Grenze. Er habe beispielsweise einen Supermarkt vermitteln können. Unter den Käufern befänden sich auch institutionelle Anleger. Liegenschaften im Euro-Raum selber zu nutzen, ist für Schweizer beschränkt attraktiv: Die höhere Steuerbelastung egalisiert unter Umständen die tieferen Lebenshaltungskosten.

Von einer eigentlichen Ausverkaufsstimmung berichtet Claus-Jörg Kintzinger, der Geschäftsführer von Engel & Völkers in Lörrach bei Basel. «Kunden, die schon seit geraumer Zeit am Kauf einer Liegenschaft in Deutschland interessiert sind, schlagen jetzt zu», sagt er. Zwar kämen immer wieder neue Angebote auf den Markt. Das Dreiländereck sei in Sachen Liegenschaften im Moment aber «ausverkauft». Das liege aber auch daran, dass die Wirtschaft in der Region floriere und es praktisch keine Arbeitslosigkeit gebe. Für gewisse Hektik im Markt sorge zudem eine beschlossene Gesetzesänderung in Baden-Württemberg: Die Grunderwerbssteuer steige im Herbst von 3,5 auf 5 Prozent. Wer eine Liegenschaft kaufe, wolle den Handel darum natürlich vor dem Herbst abwickeln.

Auch an der Südgrenze der Schweiz scheint die gestiegene Kaufkraft gegenüber dem Euro Wirkung auf den Immobilienmarkt zu haben. Katja Straubinger, Managing Director bei Engel & Völkers im italienischen Cernobbio, spricht von einer merklich höheren Nachfrage von Schweizern. Das sei bemerkenswert, weil das Gebiet um den Comer- und den Luganersee auf der italienischen Seite eine klassische Ferienregion sei; diese gerate kaum je aus der Mode. Die zusätzlichen Interessenten stammten hauptsächlich aus der Deutschschweiz.

Der Konstanzer Makler Frank Renz geht davon aus, dass das Interesse von Schweizern an deutschen Liegenschaften noch zunimmt, solange der Franken im Vergleich zum Euro so stark bleibe. Schliesslich werde die neue Anlagemöglichkeit für Schweizer im Ausland eben erst erkannt.

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